General Anzeiger 08.08.2015
Kapellen in Bachem

Drei Orte geistlicher Ruhe

Von Sebastian Kirschner
BACHEM. In einem oft zitierten Reim heißt es: „Bachem ist ein heil’ger Ort, drei Kapellen stehen dort.“ Mit der Wiederbegründung des Kapellenvereins vor gut einer Woche hat die Bachemer Bürgerschaft erneut unter Beweis gestellt, wie viel ihr an der Erhaltung der Sankt Anna-, Sankt Leonhardus- und Lourdes-Kapelle gelegen ist.

Ein Rundgang durch den Ort zeigt nicht nur, dass die Kapellen perfekt in Schuss sind, sondern weist auch auf die hohe Bedeutung, die diesen heiligen Orten in Geschichte und Gegenwart zugesprochen wird, hin.

Wenn Bernd Walther morgens aufbricht, um im Bachemer Tal die Lourdes-Kapelle aufzuschließen, dann wandert er nicht nur durch eine wunderschöne Waldlandschaft oder eine mit mehreren römischen Villenanlagen geschichtsträchtige Umgebung, sondern er ist auf dem Weg zu einem Ort großer Bedeutung für Gläubige von nah und fern. Nicht nur zum alljährlichen Gottesdienst an Pfingstmontag direkt vor der Kapelle fließt ein stetiger Pilgerstrom zur direkt am Bach gelegenen Grotte. Zahlreiche Votivtäfelchen, kleine Dankesbezeugungen an die Heilige Maria, zeugen davon. „Egal, ob bei Schnee oder Eis: Ich habe es noch nie erlebt, dass keine Kerze brannte“, so Walther.

Der Bau der ursprünglichen Kapelle, die heute den Vorraum der Grotte darstellt, geht auf das Gelöbnis des Bachemers Karl Dresen zurück, der in den Entscheidungsschlachten des Zweiten Weltkrieges schwor, der Gottesmutter eine Kapelle zu bauen, wenn er es denn lebend wieder ins Ahrtal schaffe. 1949 setzte er sein Versprechen in die Tat um. 1961 wurde die Grotte angebaut, da die kleine Kapelle den Zustrom an Gläubigen nicht mehr fassen konnte. Der Schein zahlreicher Kerzen taucht den verrußten Quarzstein im Innern in ein andächtiges Zwielicht. Die Ruhe wird vom Plätschern des nahen Baches unterstrichen.

Doch war die Kapelle in ihrer Geschichte nicht nur ein Ort der Einkehr. Im Streit zwischen der Kirchengemeinde und dem Marienapostolat, das die stattlichen Einkünfte der Kapelle für die Stadt verwaltete, kam es 1952 sogar zu einem Protestbrief der Kirchengemeinde an den Papst. Ob dieser je beantwortet wurde, ist jedoch nicht überliefert.

Einen Sprung von fast 400 Jahren in die Vergangenheit macht man, wenn man anschließend die 1585 erbaute Sankt Leonhardus-Kapelle besucht, die in ihrer Geschichte auch für so manchen Unmut gesorgt hat. 1909 wurde sie nämlich geschlossen, da sie zum einen baufällig geworden war und zum anderen, weil man mittlerweile mit der Anna-Kapelle das größere Gotteshaus hatte. 1923 wollten sich die Bachemer an den Abriss begeben, was Lehrer Josef Bohn jedoch mit einem Telegramm nach Koblenz zu verhindern wusste. Der daraufhin im Eilverfahren unter Denkmalschutz gesetzte Bau musste nun von den Bachemern restauriert werden, was zur Zeit der Weltwirtschaftskrise kein leichtes Unterfangen war. „So wurde in die Hände gespuckt und jeder Groschen zusammengekratzt“, stellt Walther die Reaktionen damals dar. Die Bachemer wollten das Denkmal im Ortskern nicht verfallen lassen. Heute ist die prunklose Kapelle mit ihrem Altar von 1717 vor allem ein Ort des stillen Gebetes für die ansässigen Gläubigen – und im Sommer auch ein Ort erfrischender Kühle.

Älteste Bachemer Kapelle mit einem Baudatum gegen 1220 und Schmuckstück des Ortes, ist die Sankt Anna-Kapelle, die seit 1925 den Status einer Kirche genießt. Wie auch bei der Lourdes-Kapelle ist der heutige Eingangsbereich die Urfassung der Kapelle, die ursprünglich nahtlos an die Burg der Ritter von Bachem gebaut war. Diese konnten dank einer extra Türe auf einer ausladenden Empore sitzen, um sich nicht unter die normale Bevölkerung mischen zu müssen. 1921 wurde der Bonner Baurat Theodor Wildemann damit beauftragt, einen Anbau zu konzipieren. Er konnte die Bachemer nach langer Diskussion von einem neogotischen Faltengewölbe überzeugen, dessen sternenhafte Form heute kaum noch zu finden ist. Einzigartig ist auch die Marienstatue vor dem Altarraum, die ins 15. Jahrhundert datiert wird und die zu den schönsten Madonnen des Rheinlandes zählt. Seltsamerweise steht die Mutter Gottes auf dem Kopf einer adligen Frau, was Kunsthistorikern bis heute Rätsel aufgibt. Alle Bachemer Kapellen sind ganztägig geöffnet. Für Langfinger lohne sich ein Besuch nicht, betont Walther abschließend. Alle Schätze, besonders der Sankt-Anna-Kapelle, sind mit einer feinen Alarmanlage gesichert.

Artikel vom 08.08.2015

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